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Berechenbarkeit, Fairness und Konsequenz

Gewalt fängt da an wo Wissen aufhört - In diesem Beitrag geht es um Fairness, Konsequenz und Berechenbarkeit des Menschen gegenüber dem Hund.

Hundehalter sind tierliebende Menschen, und jeder der ein solches Tier beherbergt möchte dass es seinem Vierbeiner gut geht. Doch oft ist das Zusammenleben mit dem Hund nicht kompatibel zu unserem Alltag. Sei es nun ob irgendwelche Probleme gelöst werden müssen oder der Hund das erwünschte Verhalten nicht erlernt hat. Deshalb müssen Hundehalter für das richtige Konfliktmanagement sorgen.

Was bezeichnen wir als Gewalt im Hundetraining? Gewalt ist die Summe von physischen oder psychischen Zwang mit der man auf das Verhalten gegenüber dem Hund Einfluss nimmt. Begriffe wie Alphatier, Dominanz, Kontrolle, Korrektur, Rudel, Unterordnung, rechtfertigen die Anwendung von Gewalt oft.

Früher, in der sogenannten „alten Schule“ wurden Werte wie Disziplin und Fleiß oft auch mit Hilfe des Rohrstocks oder übermäßiger Strenge durchgesetzt. Aber wäre die Menschheit da nicht weiter gekommen, würde es heute vermutlich auch keine Entwicklung bei der Hundeerziehung geben. Gewaltfreies Hundetraining ist also nur der logische Schritt für eine bessere Erziehung. Ungeachtet dieses Anspruchs gibt es im deutschen Tierschutzgesetz für alle Tierhalter und gewerblichen Tiertrainer das eindeutige Verbot, Tieren unnötiges Leid und Schmerz zuzufügen. Gewaltfreies Hundetraining ist also kein „kann“ sondern ein „muss“!

Der Mensch rühmt sich gern seines überragenden Intellekts was ihn aus seiner Sicht dazu berechtigt auf die Vorgänge in der Natur und im speziellen auf den Hund Einfluss zu nehmen. Doch das Verhalten des eigenen Hundes kann peinlich für den Halter sein. Kommt es aus menschlicher Sicht zu Problemen mit dem Hund, werden schnell alle Hemmungen fallen gelassen und die Nerven liegen plötzlich blank. Zieht der Hund an der Leine, springt er hoch, springt und bellt er an der Leine, setzt er sich aufs Sofa oder springt aufs Bett, jagt er anderen Tieren hinter her oder der junge Hund ist überdreht, aufgeregt, hört einfach nicht, … , wird sofort mit massiven Strafen sanktioniert, damit der Hund nicht zum „Alphatier“ - zum „Rudelführer“ wird. Dies ist völlig falsch und es braucht kein Anschreien, Leinenruck, auf den Rücken drehen, am Nacken schütteln, Schnauzengriff, Ohrenkneifen, Treten, Klapsen, Schlagen, Gegenstände nach dem Hund werfen oder permanenter massiver Einschüchterung, ... und was es da noch so alles gibt. Dies ist nicht nur moralisch verwerflich, es ist Tierquälerei sowie tierschutzwidriges Verhalten. Es bringt den Hundehalter in der Beziehung mit seinem Hund keinen einzigen Schritt weiter.

Was ist die Alternative? Lernen und Kooperation soll sich für den Hund und den Mensch lohnen!

Man beschreitet dabei den Weg des positiv verstärkten Trainierens mit dem Hund, bei dem erwünschtes Verhalten konsequent, aber immer auch fair eingeübt wird.

Hunde brauchen berechenbare Hundehalter. Wenn wir wollen, dass Hunde dauerhaft lernen, braucht es etwas Zeit und Konsequenz. Kein Hund und auch keine Rasse braucht eine harte Hand. Strafen führen zum Verlust des Vertrauens in den Halter und des eigenen Selbstvertrauens. Sie sorgen meist dafür das die Fairness auf der Strecke bleibt. Respekt bekommt man nicht durch Härte und Dominanz gegenüber dem Hund. Der Hund wird durch das Strafen verunsichert, sein Vertrauen in den Halter zerfällt. Hunde, die ständig unter Schmerzandrohung geführt werden, stellen irgendwann ihr Ausdrucksverhalten ein. Sie werden am Körper oder an der Psyche krank. Sie können aber auch zur Zeitbombe werden, wenn ein äußerer Reiz das Fass zum Überlaufen bringt. Dann beißt der Hund zu – vermeintlich grundlos, wie es dann heißt.

Übrigens, bei einer angewendeten positive Strafe ( siehe die vier Quadranten der behavioristischen  Lerntheorie ) , begibt man sich sehr schnell über den vom Tierschutzgesetz absteckten Rahmen hinaus – in den tierschutzwidrigen Bereich! Positive Strafen sind wirksame, aber eben auch gefährliche Mittel. Es ist so, dass sie ungleich schwieriger korrekt einzusetzen sind: Sie müssen immer sofort beim Fehlverhalten ausgeführt werden, müssen so intensiv sein, dass das Verhalten sofort unterbrochen wird und selbst dann ist nicht sicher, dass sie mit dem Fehlverhalten verknüpft werden. Ist die Strafe nicht stark genug, oder wird nicht ausnahmslos jedes Fehlverhalten bestraft, stumpft der Hund ab, oder lernt es heimlich zu machen. Niemand kann, selbst wenn er Strafen in gewissem Maßen toleriert, garantieren dass er ausnahmslos jedes Fehlverhalten bestrafen würde. Deshalb helfen alle von sogenannten Hundeflüsterern verkauften und hoch angepriesenen schnellen Methoden oder auch Crash-Kurse NICHT dauerhaft und müssen damit immer und immer wieder als auch stärker angewendet werden. Es folgt im wahrsten Sinne des Wortes „eine Spirale der Gewalt“.

Was also tun? Viele Halter sind ratlos oder entnervt weil sie nicht wissen wie man dieses „blöde Verhalten“ abstellt. Niemand möchte aber einen Hund, der nur gehorcht, weil er gelernt hat Angst vor Strafe zu haben. Wie unter uns Menschen sind gegenseitiges Kennenlernen und Vertrauen die Voraussetzungen für eine gut funktionierende Beziehung zwischen Hund und Mensch. Angst und Aggression, aber auch nahezu jedes unerwünschte Verhalten beim Hund, wurde oft durch falsche Kommunikation anerzogen. Es liegt meist am Hundebesitzer. Ein Hund braucht wirklich KEINE gewalttätige Zurechtweisung, die ihren Ursprung nur in der Hilflosigkeit, Ungeduld oder Unwissenheit hat. Deshalb arbeiten Hundetrainer nicht nur mit dem Hund, sondern vorwiegend mit dem Mensch und befähigen diesen mit seinem Hund klarer zu kommunizieren. Das Hundetraining fängt erst einmal mit der Problemanalyse an. Erst wenn ein Auslöser für ein bestimmtes Problem gefunden wurde, kann man beginnen dem Hund das jeweilige erwünschte Verhalten beizubringen.

Wie kann man nun den Hund zur Mitarbeit motivieren? Eine Belohnung im richtigen Augenblick verstärkt erwünschtes Verhalten oder die geforderte Aktion auf positive Art, so dass ein Lernen entsteht. Statt Leckerlis bzw. Futter können auch Streicheleinheiten, lobende Worte oder ein Spielzeug gegeben werden. Das Leckerchen löst jedoch bei sehr vielen Hunden ein positives Gefühl aus. Unser menschliches Gehirn funktioniert da ganz ähnlich. Zum Beispiel freuen wir uns über jede Belohnung - vielleicht reicht ein Lob, eine Einladung zum Konzert oder auch eine Lohnerhöhung, usw..

Die Konsequenz – Hundeerziehung braucht Zeit. Oft wird von Hundebesitzern übersehen, dass es nicht der Hundetrainer ist der den Hund erzieht. In einer guten Hundeschule wird zuallererst aktuelles Basiswissen vermittelt. In der Hundeschule wird Hundebesitzern gezeigt wie man bei Standardproblemen üben kann. Hundetraining sollte jedoch immer auch individuell sein und individuelle Trainingskonzepte führen bei fortschreitender Kenntnis zu mehr Erfolg. Die Hoffnung, „Dann gehen wir eben mal auf den Hundeplatz. Da wird ihm schon alles beigebracht“ , kann man getrost vergessen. Vielmehr muss der Hundehalter die Bedürfnisse seines Hundes kennen lernen und konkrete Ziele definieren. Sobald sich neue Probleme zeigen, sollte der Hundehalter in eigenem Umfeld mit dem Hund üben oder bei schwer lösbaren Problemen geeignete Hilfe von außen holen. Dies ist ein ständiger Prozess der den Hund und seinen Halter das ganze Hundeleben begleitet und fordert. Dabei arbeiten Hundetrainer meist dort nach wo „erwünschtes Verhalten“ den gemeinsamen Bedürfnissen noch nicht bzw. nicht mehr genügt. Selbstverständlich soll es nicht so sein, dass man sich mehrere Monate mit dem Üben von Leinenführigkeit an der kurzen Leine aufhält. Vielmehr sind es Übungen die die gemeinsame Zeit mit dem Hund maßgeblich bestimmen. Übungen sollen und können an beiden Enden der Leine Spaß machen und die gemeinsame Lebensqualität fördern.

Selbstverständlich können wir bei einem so komplexen Thema wie es das Hundetraining nun einmal ist, nicht alle Fragen in diesem Beitrag beantworten. Deshalb sollten sich interessierte Hundebesitzer weitere Quellen über das positive Hundetraining erschließen, wie zum Beispiel über Hundeverbände oder den Tierschutzorganisationen oder der Initiative „Positiv Rocks“ und dem Internet oder auch aus aktuellen Büchern. Schlussendlich, wer unsicher im Umgang mit dem eigenen Hund ist, kann sich an den Hundetrainer seines Vertrauens wenden. Denn die meisten Hundetrainer lieben es Herausforderungen in den Hund Mensch Beziehungen zu lösen.