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Hilfe mein Hund ist dominant!

Hund beim Hundetraining

Wir hören es immer mal wieder das jemand sagt, "Der ist aber dominant oder mein Hund ist dominant". Nein, da kann ich dich beruhigen dein Hund ist nicht dominant weil er ständig nach dem Chefposten strebt und deshalb aggressiv ist. Denn wir kämpfen nicht mit unseren Hunden um knappe bzw. wertvolle Resourcen. Vielmehr ist es so das der Mensch den Hund in allem dominiert. Wir bestimmen wo und mit wem er lebt. Wir bestimmen wann und was er frist. Wir bestimmen ob und mit wem er sich paaren darf. Wir bestimmen seinen gesamten Tageslauf und mit wem er sich treffen darf, usw... . Dabei sollte jedem klar sein das der Mensch mit dem Hund kein Rudel bilden kann, ein Mensch ist nun mal kein Hund. Aufgrund von neueren wissenschaftlichen Untersuchungen kann ausgeschlossen werden, dass es ein instinktives Bestreben nach der Alphatier-Rolle oder der Rudelführerschaft gibt. Ein Hundetrainer der heute noch Verhaltensprobleme des Hundes mit Dominanzproblemen erklärt bzw. seine harten Trainingsmethoden damit rechtfertigt, hat offensichlich seit langer Zeit keine Hausaufgaben mehr gemacht. Aggressives Verhalten wurde oft auf den Hund projiziert, doch dies setzt ein starres Rangordnungmodell voraus welches von Wölfen auf Hunde übertragen wurde. Die beobachteten Wölfe bzw. Hunde lebten jedoch in Gefangenschaft mit zu Teil knappen Resourcen. Dabei bildete sich eine Art "Hackordnung" aus, welche bei freilebenden Wölfen und Hunden nicht bekannt ist. Außerdem wurde das beobachtete Verhalten falsch interpretiert. In der weiteren Übertragung auf den (Familien- ) Hund sind die gemachten Ergebnisse einfach falsch und wissenschaftlich nicht haltbar.

Verhaltensbiologen, andere Fachleute und Hundeschulen die sich mit den veröffentlichten Hypothesen ernsthaft auseinander gesetzt haben, verwenden Bezeichnungen wie das Alpha-Tier oder auch den sogenannten Rüdelführer und die damit abgeleiteten Theorien längst nicht mehr, da diese nicht korrekt sind. Vielmehr ist ein Hund welcher aus menschlicher Perspektive ungehorsam ist, nicht dominant, sondern ihm wurde erwünschtes Verhalten nicht bzw. nicht richtig vermittelt. Bei weitergehendem Interesse an dem Thema findet man unter dem Namen Lucyan David Mech einen sehr erfahrenen Verhaltensforscher. Damals in den 1970er Jahren und davor haben verschiedene Wissenschaftler mehrere Studien zum Verhalten von Wölfen und Hunden publiziert. L.David Mech hat später einige Aussagen seiner eigenen Forschungen mit Wölfen ( In Bezug auf das Alphawolfsmodell ), unter anderem in einen Artikel von 1999, Alpha-Status, Dominanz und Arbeitsteilung in Wolfsrudeln (Canis lupus), mit Veröffentlichung im Canadian Journal of Zoology 77: 1196-1203, korrigiert, weil die gemachten Veröffentlichungen nicht korrekt sind. Doch Vorsicht! Zur besten Sendezeit im Fernsehen und in anderen Medien werden die veralteten Mythen und Folgerungen manchmal noch publiziert, und auch deshalb halten sich die falschen Aussagen besonders hartnäckig.

Wer dennoch seinen Hund mit Reduzierung auf die erwähnten Begriffe und mit falscher Strenge erzieht, ignoriert elementare Bedürfnisse seines Hundes. Die Probleme werden bei solch einem "Alpha Hundetraining" meist nicht nachhaltig gelöst. Schwerwiegende Schäden können die Folgen sein! Bei derart emotional belasteten Hunden sprechen wir persönlich von gebrochenen Hunden oder auch von Roboter-Hunden ( man sieht diesen armen Kreaturen die „erlernte Hilflosigkeit“ förmlich an ) . Für ein harmonisches Miteinander mit den Hunden stehen uns natürlich bessere Werkzeuge zur Verfügung. Wir können zum Beispiel mit Kooperation und Bedürfnisbefriedigung echtes Lernen bei unseren Hund erreichen, ohne dass sie sich emotional aus der Beziehung mit uns verabschieden.

Unser Rat an alle Hundehalter ist daher nicht lange herum zu probieren bzw. bei schwer einzuschätzenden Problemen kompetente Hilfe zu holen. Der Grund ist einfach erklärt. An einem einmal kaputt gemachten Vertrauen und den Folgen arbeitet man hinterher nicht nur 1 oder 2 Trainingseinheiten, wie immer gern behauptet wird, sondern ggf. Monate.

Betrachtet wird dabei nur die Auswirkungen auf den Hund - doch was ist mit den emotionalen Schäden beim Mensch? Wenn dieser erkennt wie schlecht es eigentlich dem eigenen Hund geht.

Eure Hundetrainer vor Ort