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Wodurch entsteht Stress beim Hund - Wie kann ich das erkennen

Wir alle kennen Stress sehr gut, in einem Moment starker Emotionen tun wir Dinge die wir normalerweise nicht tun würden. Wir fragen uns "Was hast du denn da wieder getan?", und müssen hinterher zugeben wiedereinmal teilweisen oder totalen Kontrollverlust gehabt zu haben. Beim Stress unterscheiden wir den positiven Stress ( wir freuen uns wie irre auf den bevorstehenden Urlaub ) und den negativen Stress, den unerwünschten Stress, welcher uns aufregt, blockiert und der uns ggf. krank macht. Stress kann eine extrem starke Emotion beim Hund hervorrufen und wird meist als Reaktion auf äußere Reize in einer vom Mensch dominierten Umwelt wahrgenommen. Stress führt im Körper des Hundes zur Ausschüttung des Stresshormones Cortisol. Cortisol ist verantwortlich für ein sehr breites Spektrum an Wirkungen. Obwohl Cortisol gut und lebensnotwendig für den Hund ist, gibt es jedoch auch weniger erwünschte Auswirkungen. Eine häufig unerwünschte Wirkung einer gesteigerten Cortisolausschüttung ist, dass dadurch Lernblockaden entstehen können. Wie so oft im Leben kommt es beim Cortisol auf die richtige Balance an.

Wodurch entsteht Stress beim Hund? Unerwünschter Stress entsteht bei Krankheit, Überforderung, Unterforderung, Angst, Unsicherheit, Unruhe, Übermüdung usw.. Stress soll uns jedoch auch vor Gefahren warnen, so z.B. wenn der Hund Stress bei vorbei fahrenden Autos zeigt. Dies ist von der Natur so gewollt um das Überleben der eigenen Art zu sichern.

Wie kann ich Stress bei meinem Hund vermeiden? Die Lösung gleich zum Anfang.

Vermeide Situationen die bei deinem Hund hohen Stress auslösen, und welche er noch nicht bewältigen kann. Behandle deinen Hund nicht ungerecht und mit Respekt. Beim Üben und im Training mit deinem Hund bist Du geduldig und bleibst ruhig.

Bestrafung vermeiden!

Auch wenn dies eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, einige Hundebesitzer sind leider stark frustriert vom vermeintlichen Fehlverhalten ihres Hundes. Und obwohl die Körpersprache des Hundes deutlich Stress anzeigt, kommt es dennoch zur Bestrafung ( bzw. der Hund wird unter Druck gesetzt ). Bestrafungen der folgenden Art kann der Hund nicht verstehen und oft verschlimmert man die Situation.

  • Man wirft keine Gegenstände auf den Hund!
  • Man tritt nicht nach dem Hund!
  • Man gibt dem Hund keine Schläge, auch nicht auf die Schnauze!
  • Man bespritzt den Hund nicht mit Flüssigkeiten weder kalt noch heiß, salzig, bitter, scharf, ätzend usw.!
  • Man stopft dem Hund nichts ins Maul, auch keine harten oder scharfen Gegenstände!
  • Man ruckelt nicht an der Leine bzw. setzt die Leine nicht zur Disziplinierung des Hundes ein!
  • Man schüchtert den Hund nicht ein, wirft sich nicht auf den Hund oder dreht ihn auf den Rücken usw.!

Die Liste der vermeintlichen Disziplinierungen ist weitaus länger. Ein gestresster Hund sollte von seinen Besitzern selbst bei "Fehlverhalten" unterstützt und nicht bestraft werden.

Körpersignale richtig deuten!

Du wirst deinen Hund viel besser verstehen und auf seine Bedürfnisse eingehen können, wenn du genau hin schaust und sein Ausdrucksverhalten beobachtest. Einen einfachen Test den du zu Hause mit deinem Hund in entspannter Atmosphäre machen kannst, wäre es herauszufinden wie weit dein Hund dir vertraut. Beispielsweise könntest du schneller als normal auf deinen Hund zugehen und bleibe ca. 2-3m vor ihm stehen. Wird er nervös, duckt sich, rennt weg, zeigt deutlich Unsicherheit, kann es sein dass er dir noch nicht stark genug vertraut. Oder, wenn du an deinem Hund vorbei gehst und gleichzeitig schnell die Hand hebst, wird er sich dann erschrecken und deine Nähe meiden? Ein Hund der ohne starke Einschüchterung erzogen wurde, wird selbstverständlich gelassen bleiben, auch wenn es einmal hektisch wird. Denn der Reiz ( die Hand schnell heben , schnell auf den Hund zugehen ) wird weder negativ noch positiv belegt sein. Vertraut dir dein Hund nicht wie du es dir wünschst, solltest du dir Hilfe holen bzw. an den Problemen arbeiten.

Beispiel: Im Training sehen wir das Hunde Angst, Misstrauen und Unsicherheit zeigen obwohl ihre Besitzer liebevoll mit ihnen umgehen. Oft wissen wir nicht was in der Vergangenheit mit dem Hund passiert ist und so kann es durchaus sein, dass es einige Zeit dauert bis wir dem Problem auf die Spur kommen. Körpersignale des Hundes für Stress sind: Nimmt kein Leckerchen oder spielt nicht, den Kopf abducken, wegschauen, meidet Augenkontakt, große Augen, Stressfalten im Gesicht, starkes Speicheln, starkes Hecheln, starkes Schwitzen über die Pfoten, alle Zähne sichtbar, erhöhter Puls, die Lefzen und/oder die Nase lecken, Haarausfall, Stressschuppen, Erstarren, langsame Bewegung, Gähnen, am Boden schnüffeln, unter sich machen, Durchfall, den Rücken auf-buckeln, rückwärts gehen, nähert sich nicht, duckt oder kauert sich, Ohren anlegen, Schwanz einklemmen und natürlich noch das Zittern nicht zu vergessen.

Ganz entscheidend ist die Leckerchengabe in Trainingssituation. Ist dein Hund überfordert, eingeschüchtert, hat Angst wird er niemals Leckerchen nehmen. Deshalb werden "Hundeexperten" die mit Druck und ggf. Starkzwang im Training arbeiten niemals Leckerchen füttern und behaupten sie wären die Einzigen ( Alleinstellungsmerkmal ) die ohne Leckerchen arbeiten könnten. Doch in Wirklichkeit kann und wird der Hund solange der Konflikt ( die Bedrohung ) nicht beendet wird, aufgrund seiner inneren Blockade, sowieso kein Futter bzw. Leckerchen nehmen können!